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Ansichtssache...
Königsberger Fabrik
(Westend)


Folge 23 - Heimatbrief 151 - Juli 2004

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Immerhin sechs Ansichtskarten in unserem Archiv verdanken wir der Tatsache, dass unsere Heimat nach dem I. Weltkrieg bis 1926 unter belgischer Besatzung stand. Klar, dass die Soldaten Grüße in die Heimat schickten. Ein Glücksfall hingegen, dass einige dieser Karten über Sammlerkontakte wieder nach St.Tönis zurückgekommen sind - wie bei der hier abgebildeten Karte aus der Sammlung von Kunibert Schmitz aus Vorst. Aber nicht nur die abenteuerliche Reise macht die Karte so interessant. Mindestens ebenso spannend ist, was der unfreiwillig in St.Tönis weilende Absender im Januar 1919 an „Meine tapfere Blanchette“ in Ham sur Sambre/Namur schrieb.

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Neben dem verständlichen Wunsch, dass seine Dienstzeit bald enden möge und der Versicherung, dass es ihm gut geht, erfahren wir so ganz nebenbei, dass in der linken Villa offensichtlich eine Dienststelle seiner Militärbehörde eingerichtet war. Jedenfalls sind zwei Fenster hinter dem Schrankenwärterhäuschen entsprechend gekennzeichnet, ebenso wie sein Schlafzimmer (mit einem Kreuz-Symbol) eine Etage darüber.
Die (farbige) Karte zeigt die 1904 gegründete Mechanische Seidenweberei von Gustav Königsberger, deren Ansiedlung mit rund 500 dringend benötigten Arbeitsplätzen vor 100 Jahren für St.Tönis ein wahrer Segen war. 1938 – als der jüdische Inhaber ins Ausland emigrierte - übernahm Hermanns & Kürten bis 1960 den Betrieb. 1959 startete Heinz Holtschneider in einem Teil der Gebäude das „Supermagazin“, das später zum Tackseegelände umzog.        

Königsberger Karte zwei lässt die Ausdehnung des Betriebes mit den typischen Sheddächern erkennen. Die beiden Villen stehen bis heute fast unverändert im Westen von St.Tönis. Auf dem übrigen Gelände entstand vor rund 10 Jahren die Siedlung „Zur alten Weberei“. Daran, dass hier bis 1978 über 100 Jahre der Schluff (vorbei am Bahnhof „Westend“) Richtung Süchteln die Vorster Straße überquerte, erinnert neben der als Fahrrad- bzw. Fußweg erhaltenen Trasse   das Straßenschild für das Neubaugebiet „Am Schluff“ auf dem gegenüberliegenden Gelände. 

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