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Ansichtssache...

Marktplatz


Folge 21 - Heimatbrief Nr. 149 - Juni 2003

Geht es Ihnen auch so, wenn Sie alte Ansichtskarten betrachten? Die Zeit scheint still zu stehen (glaubt man der Turmuhr, in diesem Fall um genau 16.45 Uhr). Ob man romantisch veranlagt ist oder eher weniger: unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, dass der junge Mann (oder sagen wir "dä staatse Keärl") in Bildmitte sich nur für ein Rendezvous so chic gemacht haben kann. Treffpunkt Hohenzollernbrunnen! Jeden Augenblick kann die Angebetete erscheinen. Tja, so kann man auch bei der Archivarbeit ins Schwärmen geraten ...

Wir wissen nicht, ob es ein Happyend gab. Halten wir uns also besser an die Fakten. Karte eins wurde um 1905 produziert und dem Verlag von Ernst Esser, Crefeld, verdanken wir den Blick ins frühe 20. Jahrhundert.

Albert Merkelbach schickte den Gruß für sagenhafte 5 Reichspfennig Porto an seine spätere Ehefrau. "Was sagen Sie zu der großartigen, neuen Ansichtskarte von der Großstadt St.Tönis?" schreibt er und später wird der verträumte Markt sogar mit dem Petersplatz in Rom verglichen. Dies sollte nicht der letzte Vergleich mit berühmten Plätzen bleiben. So brachte ihm die neue Pflasterung bei der Renovierung 1994 den Spitznamen "Roter Platz" ein. Aber auch amtliche Stellen sahen sich in den letzten 100 Jahren aus den verschiedensten Gründen veranlasst, den Platz von Markt über Großer Markt, Platz der SA, Marktplatz bis "Alter Markt" umzubenennen.
Die zweite Karte ist rund 70 Jahre alt. Viele erinnern sich sicher noch an die "Gaststätte zum Schützen", die 1957 Namenspate für das Kino "Schützenhoftheater" wurde. Rechts, an der Kaisertraße, im Haus mit dem markanten Giebel, führte der jüdische Kaufmann Siegfried Romberg bis zu seiner Emigration 1940 ein Bekleidungsgeschäft. Sein Haus und die anderen Häuser zum Kirchplatz, wurden beim Bombenangriff 1942 stark beschädigt. Die aktuelle Aufnahme zeigt, dass sie (bis auf besagten Giebel) in ähnlicher Weise wieder aufgebaut wurden. Der Heimatbund ist natürlich besonders stolz auf das 1994 errichtete Martin-Denkmal. Vielleicht nutzen Sie es ja einmal als Treffpunkt für ein Rendezvous ...

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