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Ansichtssache...

Das Marienheim


Folge 20 - Heimatbrief 148 - Dezember 2002

Da kann man nur staunen, wenn man sich einmal vorstellt, welche ehrgeizigen Bauvorhaben zum Wohle der St.Töniser Bevölkerung am Anfang des 20. Jahrhunderts, bis zum Beginn des I. Weltkrieges, in die Tat umgesetzt wurden. Einige der Gebäude waren schon Gegenstand dieser Serie, wie z.B. die 1903 bezogene Knabenschule an der Schulstraße und das 1912 eingeweihte Krankenhaus am Hospitalplatz. - Ach ja: "zwischendurch" wurden noch die Pfarrkirche St. Cornelius und das Rathaus erweitert.
Ein wichtiges Gebäude aus dieser Zeit fehlt noch in der Aufzählung. Und nicht nur dort. Es fehlt nebenbei gesagt - auch in der Ansichtskartensammlung des Heimatbundes (wir verfügen leider nur über Reproduktionen der hier abgebildeten beiden älteren Karten), sowie in der Serie "Ansichtssache", was hiermit nachgeholt wird.
Es fehlte aber vor allem denjenigen, die sich in St.Tönis um die Betreuung der Kinder und Jugendlichen bemühten. Seit 1903 leiteten die Schwestern des Ordens Unserer Lieben Frau aus Mülhausen eine Kinder-Bewahrschule im Ort und die Unterrichtung der Mädchen in hauswirtschaftlichen Fertigkeiten lag ihnen auch am Herzen. Die für diese Aufgaben zur Verfügung stehenden privaten Räumlichkeiten erwiesen sich allerdings schon bald als unzureichend. Das war die Geburtsstunde des Marienheims. Unter der Leitung von Pfarrer Lepers und seinem unermüdlichen Spendensammler Kaplan Lommertz wurde das Marienheim fast zeitgleich mit dem Krankenhaus gebaut und am 8. November 1912 eingeweiht.
Neben den Räumen für die Kinderbewahrschule (erste Karte: im flachen Gebäudeteil im Vordergrund) gab es jetzt einen Saal, den die vielen Vereine der Pfarre für alle erdenklichen Veranstaltungen nutzen konnten. Der Eingang zum Saal befand sich in dem bis auf den Bürgersteig reichenden Vorbau.
Die zweite Karte - herausgegeben von der Oberschlesischen Verlagsanstalt E. Kohnke aus Wieschowa, Kreis Beuthen - wurde uns freundlicherweise von Frau Ria Lohkamp ausgeliehen. Hier ist der Zustand nach einer 1929 erfolgten Aufstockung des linken Gebäudetraktes gut zu erkennen. In der so gewonnenen zusätzlichen Etage wurde u.a. eine Nähstube für den Handarbeitsunterricht eingerichtet. Weiter können wir auf der zweigeteilten Karte einen Blick in die Hauskapelle werfen. Sie befand sich links über dem Haupteingang. Während des Krieges, nachdem die Pfarrkirche 1942 wegen starker Bombenschäden nicht genutzt werden konnte, diente das Marienheim als Notkirche, bis es in der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1943 durch einen feindlichen Bombenangriff selber völlig zerstört wurde. Im Keller des Marienheims kamen die Schwestern mit dem Schrecken davon; in der Nachbarschaft starben zwei Frauen und ein Kind.
Nach dem Krieg wurde in drei Abschnitten (1951-1954) an gleicher Stelle das neue Marienheim errichtet. Bis zum heutigen Tag steht es unter der bewährten Leitung von Schwestern Unserer Lieben Frau.
Vom neuen Haus gibt es m.W. keine eigene Ansichtskarte. Nur auf mehrteiligen Karten ist es hin und wieder zu finden. Die Fassade hat sich seit der ca. 1960 entstandenen Aufnahme (s. links) nicht wesentlich verändert, sodass ich auf ein aktuelles Foto verzichten und auf einen solchen Kartenausschnitt zurückgreifen konnte.

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