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Ansichtssache...

Tacksee


Folge 18 Heimatbrief 146 November 2001

Für diese Folge habe ich zwei Ansichtskarten ausgesucht, auf denen zur Abwechslung einmal keine Gebäude, kein Straßenzug und kein Denkmal zu sehen ist, die aber trotzdem Erinnerungen an ein interessantes Stück Heimatgeschichte wachrufen. "Alte" St.Töniser(Innen) haben es längst erkannt und Zugezogene lesen es am unteren Kartenrand: es handelt sich um das Strandbad Tacksee.

Würde es noch existieren, hätten wir vor kurzem seinen 75. Geburtstag feiern können. Im Verwaltungsbericht 1926/27 der Gemeinde St.Tönis ist nachzulesen, dass im August 1926 ein Strandbad eröffnet wurde, von dem es "am ganzen Niederrhein wohl kaum ein zweites gibt." Der Gemeinderat mit Bürgermeister Dr. Mauss hatte zweifellos eine gute Idee, als er beschloss, das Baggerloch der Ziegelei Schlungs in ein Freibad zu verwandeln. In Zeiten größter Arbeitslosigkeit schafften das rund 40 Erwerbslose in der Rekordzeit von 5 Wochen.

Der Verlag von J. Krapohl, M-Gladbach produzierte die Karten vermutlich schon kurz danach. Wahrscheinlich hat der Fotograf den Auftrag für beide Fotos am gleichen Tag erledigt. Man kann sogar spekulieren, an welchem Wochentag: Da außer dem Kassierer Karl Geskes (1. Karte: links am Ufer stehend, zweite Karte: hinter dem Sprungbrett sitzend) und dem

Bademeister Peter Hoffmanns (im Boot bzw. auf dem Sprungbrett) keine weiteren männlichen Personen auszumachen sind, war es offensichtlich ein Damenbadetag und da kommen - das stand so in der strengen Badeordnung - nur Montag, Mittwoch und Freitag in Frage. Das beliebte Badeparadies indes wurde 1940 von einem Wirbelsturm zerstört und kriegsbedingte Umstände sorgten - abgesehen vom "wilden Baden" bis in die 60er Jahre - für das endgültige Aus. Der Rest ist schnell erzählt. Die Kull wurde verfüllt und auf dem Grundstück eröffnete das "Supermagazin", das später von "massa" und inzwischen von "real" abgelöst wurde.


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