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Ansichtssache...
Evangelische Kirche und Schule

Folge 11 - Heimatbrief Nr. 139 - Mai 1998
Als im März 1953 der erste St.Töniser Heimatbrief erschien, zierte ihn, wie alle folgenden Ausgaben, das "Markenzeichen" des Heimatbundes - die St.Töniser Silhouette. Wie aktuell die Grafik damals war, beweist die Tatsache, daß die Gebäude, die wir auf der Ansichtskarte dieser Folge sehen, darin (in der Nähe des linken Randes) bereits eingearbeitet sind. Und das, obwohl seit der Einweihung der evangelischen Schule zu diesem Zeitpunkt erst knapp fünf Monate vergangen waren und die Kirche noch gar nicht fertiggestellt war.
Die Mitte der 50er Jahre aufgelegte Ansichtskarte zeigt die bisher jüngsten Motive in unserer Serie: die evangelische Schule wurde im Oktober 1952 ihrer Bestimmung übergeben und seit 45 Jahren - genauer gesagt seit dem 17. Mai 1953 - ist die Christuskirche an der Hülser Straße Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde von St.Tönis.

Notwendig wurden Schul- und Kirchenbau durch die Folgen des letzten Weltkrieges. Rund 2.000 Vertriebene aus Ost- und Mitteldeutschland - zum größten Teil evangelischen Glaubens - suchten und fanden bei uns eine neue Heimat. 1952 waren es 15,6 % der Einwohner von St.Tönis.
Die bis dahin nur wenigen evangelischen Christen in St.Tönis gehörten zur Kirchengemeinde Kempen und in St.Tönis gab es keine eigene Kirche. Das Gemeindeleben war jahrelang auf provisorische Unterkünfte angewiesen. Gottesdienste wurden im Saal einer Gaststätte, in Schulräumen, in der Kapelle des alten Krankenhauses und ab 1947 im Lichtburg-Kino gefeiert. Allzu verständlich also, daß sich der damalige Pastor Hermann Gutzeit für den Bau einer Kirche einsetzte. Die Unterstützung durch Pfarr- und Zivilgemeinde war ihm dabei gewiß. So schlossen über 200 Gemeindemitglieder zum Zwecke der Finanzierung Sparverträge ab, um das für den Bau notwendige Darlehen zu sichern.
Als 1953 nach neunmonatiger Bauzeit die Schlußsteinlegung und die Weihe der Kirche gefeiert werden konnte, waren die finanziellen Mittel für das Notwendige verbraucht. Insbesondere fehlte zunächst das Geld für eine Orgel und - man beachte den leeren Turm auf der Ansichtskarte - für die Glocken.
1956 konnte auch diese Lücke geschlossen werden und am Sonntag nach Ostern ertönte zum ersten Mal das Geläut von 3 Glocken. Eine der Glocken ist - so wie es auch bei der katholischen Pfarrkirche 1960 geschehen war - eine Stiftung der Zivilgemeinde.

Auf dem aktuellen Foto vom April diesen Jahres erkennen wir eine ganze Reihe von Veränderungen. Die drei Glocken sind seit 1975 durch Schallamellen geschützt und vor dem Hauptportal erkennen wir die 1986 errichteten Erweiterungsbauten.
Neu ist der separate Glockenturm vor der Kirche. Dort hat nach einer abenteuerlichen Reise über viele Stationen und drohender Einschmelzung für die Kriegsindustrie die aus dem 15. Jahrhundert stammende Glocke der Kirche von Altkrakow in Pommern ein neues Zuhause gefunden. Ihre jüngere Geschichte weist viele Parallelen zu den Menschen auf, die als Heimatvertriebene nach dem Krieg zu uns kamen - einige von ihnen eben aus diesem Ort Altkrakow. Am 18. November 1989 wurde sie als "Vater-Unser-Glocke" in Dienst genommen. Auf dem Basalt-Gedenkstein vor dem Turm erinnert eine Inschrift an Herkunft und Schicksal sowohl der Glocke als auch der Menschen.
Das Gebäude der ehemals fünfklassigen evangelischen Volksschule wurde inzwischen wesentlich vergrößert (hinter dem Vorderbau, auf dem Foto nicht erkennbar). Heute werden hier in der "Gemeinschaftsgrundschule Hülser Straße" über 500 Schüler unterrichtet.

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