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Ansichtssache...
Krankenhaus

Folge 7 - Heimatbrief Nr. 135 - Mai 1996
Die Geschicke von Altenheim und Krankenhaus sind in der St.Töniser Geschichte sehr eng miteinander verbunden, zeitweise sogar identisch. So war in der letzten Folge dieser Serie vom gemeinsamen Alten- und Krankenhaus an der Kempener Straße die Rede.

Die räumliche Trennung dieser beiden sozialen Einrichtungen wurde Anfang unseres Jahrhunderts zum immer dringlicheren Problem, da der unzureichende Platz und die hygienischen Zustände einen ordentlichen Betrieb nicht mehr zuließen.

Ein 1906 gegründeter Krankenhausbauverein wählte als Grundstück für das neue Krankenhaus die sog. Keuerei (vgl. Heimatbrief Nr. 133, Seite 13), kam aber ansonsten nur langsam voran, so daß sich 1910 sogar der Landrat in einem scharf formulierten Mahnschreiben mit der Angelegenheit befassen mußte.

Der Gemeindrat beauftragte daraufhin den Mönchengladbacher Architketen Hilgers, der 1911 seine Pläne vorlegte und noch im gleichen Jahr mit dem Bau begann. Am 28. November 1912 konnte bereits die Einweihung gefeiert werden.

In unserem Archiv ist das Krankenhaus relativ häufig als Ansichtskartenmotiv vertreten - was möglicherweise Rückschlüsse darauf zuläßt, wie stolz St.Tönis auf das imposante Gebäude war. In den meisten Fällen wählten die Fotografen die Frontalansicht und nur auf der hier abgebildeten Karte aus den 50er JAhren einmal die Seiten-Perspektive. Die schwarz/weiß- Postkarte stammt aus dem Krapohl-Verlag Neuss und war bei Christine Kleinbylen erhältlich.

Nur rund 50 Jahre genügte das für 52 Betten geplante und zum Schluß mit 87 Betten (über-)belegte Krankenhaus der immer weiter wachsenden Gemeinde. 1960 mußte sich der Gemeinderat erneut mit der Frage einer Erweiterung befassen.

Man entschied sich schließlich für einen großzügigen Anbau an das alte Krankenhaus und den Bau eines Schwesternwohnheims. In mehreren Bauabschmitten - der Betrieb des Krankenhauses mußte ja weitergehen - wurde nach Plänen des Gemeindebaumeisters Adams dieser Entschluß in die Tat umgesetzt. Die Sanierung des alten Krankenhauses allerdings wurde dann doch nicht verwirklicht, weil ein Abriß und Neubau sich als weit kostengünstiger herausstellte. Bei diesem Abriß wurde übrigens die Glocke aus dem Türmchen "gerettet" und an der Friedhofskapelle wieder in Dienst gestellt.

Mit Vollendung des letzten Bauabschnitts wurde der komplette Neubau am 8. Dezember 1968 seiner Bestimmung übergeben.

Bis heute wurde das Krankenhaus immer wieder den modernen Anforderungen angepaßt und verfügt jetzt über 170 Betten in den Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie und Frauenheilkunde. Auch der Klapperstorch hat hier einiges zu tun. In den letzten 15 Jahren, so konnten wir erfahren, erblickten hier 7630 neue St.Töniser das Licht der Welt.

Sicher sind die Baulichkeiten und medizinischen Geräte, die von der "Antoniuszentrum GmbH" verwaltet werden, wichtige Voraussetzungen für die Aufgaben eines Krankenhauses. Aber: "Das Wichtigste" - da sind wir mit den Worten von Arbeits- und Sozialminister Konrad Grundmann anläßlich des ersten Spatenstichs für den 2. Bauabschnitt im Jahre 1962 einig - "ist der Geist, der in diesem Hause herrsche und daß sich immer Menschen finden, die bereit sind, Alten und Kranken in Liebe zu dienen." Dies galt für den aufopfernden Dienst der Clemensschwestern, die von 1850 bis 1976 in St.Tönis tätig waren und gilt genauso für die "guten Geister", die heute hier ihren manchmal schweren Dienst tun.


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