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Ansichtssache...
Hochstraße, Ecke Antonius- und Marktstraße

Folge 4 - Heimatbrief Nr. 132 - November 1994
Bitte versetzen Sie sich mit mir in das Jahr 1925. Ungefähr um diese Zeit entstand nämlich die Ansichtskarte, die ich Ihnen in dieser Folge vorstellen möchte. Wir befinden uns mitten in St.Tönis auf der Hochstraße Ecke Antonius- und Marktstraße mit Blickrichtung Haus Wirichs. Im Mittelpunkt der Szene sehen wir das Eckhaus Hochstraße 34. Wegen seiner spitz zulaufenden Form nannte man es früher "dat Striekieser" (Bügeleisen). Zum Zeitpunkt der Aufnahme (und mindestens seit 1900) war hier eine Filiale von "Fuesers Kaffee".

Von 1942 bis 1948 hatte das Fisch- und Feinkostgeschäft Funken hier ein Ausweichquartier, nachdem das Stammhaus am Markt Bombenschäden erlitten hatte. An die Parfümerie, die danach lange Jahre von Else Bald betrieben wurde, werden sich noch viele erinnern. Ein kurzes Gastspiel bis zum Umzug nach schräg gegenüber gab Lederwaren Osterath in den 70er Jahren. Heute kann man hier in Tinas Shop die neueste Mode kaufen. Das Haus hat sich bis auf die ca. 1949/50 angebrachte Verklinkerung nicht wesentlich verändert. Das erste Haus daneben in der Antoniusstraße war meines Wissens immer ein Privathaus. Eine Tür weiter hatte Heinrich Dohr in den 20er Jahren seine Metzgerei. Wer kannte nicht Adele Büns, die hier später Tabakwaren tauschte und ein Geschäft mit Dekorationsartikeln und Bettwäsche betrieb? Ab Anfang der 60er Jahre nutzte die Firma Stracke das Erdgeschoß als Ausstellungs- und Verkaufsraum für Teppichböden. Während dieser Zeit baute man auch neue Schaufenster ein. Seit 16 Jahren und zwischenzeitlich abermaligem Umbau ist nun dort das Domizil der Buchhandlung von Ruth Pütt. An der linken Flanke des Eckhauses schließt sich das Haus Nr. 32 an. Um 1925 war hier die Manufakturwarenhandlung Bodewig. Nach Textil-Krüger kannte man hier in den 50er und 60er Jahren das Strumpfhaus Denz. Uhren und Schmuck gab es in den 70er Jahren bei Severens. Danach eröffnete hier die heute noch dort ansässige Pizzeria "Cavese". Vorne rechts im Bild ist noch die Ecke von "Nötges-Tömp" zu erkennen. Viele Jahre war hier der Friseursalon von Hilde Wolff. Den 1987/88 entstandenen Neubau bezog Blumen-Langenfurth. Außerdem nutzt das Textilgeschäft Geschw. Bander hier ein Schaufenster. Am linken Bildrand ist das Schild der "Huf- und Wagenschmiede" von Carl Lessenich zu erkennen. Der Großvater des jetzigen Inhabers hatte die Schmiede 1902 von Heinrich Cleven übernommen. Sein Sohn führte zunächst die Schmiede weiter, begann aber 1939 einen Handel mit Fahrrädern, der bis heute noch besteht. Das alte Haus steht nicht mehr, aber der schmiedeeiserne Träger des Firmenschildes ist an der Front des 1983 errichteten Neubaus wieder zu Ehren gekommen. Toreinfahrten, wie die vor dem nächsten Haus, fand man in St.Tönis früher häufig. Damals ging es hier zur Schmiede wie auch in den Hof des Nachbarhauses (Nr.55), wo in der Weinbrennerei von Heinrich Eicker so manches Faß mit edelstem Cognac abgefüllt wurde.

Als in den 30er Jahren die NSDAP-Ortsgruppe hier ihre Geschäftsstelle einrichtete, nannten es die St.Töniser schon bald "Das Braune Haus". Johann Abels, der nach dem Krieg hier einen Zeitschriftenladen hatte, war besonders bei den Kindern bekannt und beliebt. Sommertags fuhr er mit einem Spezialfahrrad mit Kasten-Vorbau durch den Ort und verkaufte Eis. 1953 zog Paul Schloßmacher (in zunächst nur eine Haushälfte) mit seinem Elektro-Geschäft hier ein. Inzwischen hat es seine Tochter Anne mit ihrem Ehemann Hans Schrade übernommen. Nach Abriß des alten Hauses entstand 1992 ein Neubau, in den die besagte Toreinfahrt und auch das Nachbarhaus (Nr. 53) miteinbezogen wurde, an dem man auf dem alten Foto noch das Aushängeschild des Friseurs Jean Schüren erkennt. Dessen Sohn Heinrich führte das Geschäft weiter und ich weiß noch, daß sich früher hier Anton Levels vor seinem Ritt als St.Martin mit Bart und Perücke herrichten ließ.


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