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Ansichtssache...
Krefelder Straße

Folge 3 - Heimatbrief Nr. 131 - Mai 1994
Zwei aktuelle Jubiläen ließen meine Wahl auf ein Motiv der Krefelder Straße mit Straßenbahn fallen: Am 3. Mai 1883, also vor 111 Jahren, fuhr die erste - damals noch dampfbetriebene - Straßenbahn in Krefeld. Diesen eher karnevalistischen Gedenktag möchte ich nicht unerwähnt lassen, da doch unsere letzte Karnevalsprinzessin, Elke Köster, im "richtigen Leben" Straßenbahnfahrerin ist.

Aus heimatgeschichtlicher Sicht ist das zweite Jubiläum interessant, denn am 23. Juli 1994 ist die Straßenbahn zwischen Krefeld und St. Tönis 90 Jahre auf Achse.

Eine Ansichtskarte von St. Tönis mit Straßenbahn-Motiv zu finden, fiel nicht schwer. In unserem Archiv sind nicht weniger als 13 Karten "möt de Lektrisch drop" vertreten. Auffällig ist, daß alle aus der Zeit von 1904 bis ca. 1935 stammen und keine einzige aus der jüngeren Vergangenheit. Offensichtlich war es der Reiz des Neuen und Aussergewöhnlichen, der die Fotografen damals inspirierte diese technischen Wunderwerke zu belichten. Man kann aber wohl auch davon ausgehen, daß die St. Töniser Bürger die Straßenbahnverbindung nach Krefeld sehr begrüßt haben. Schließlich kam man für 30 Pfennig bequem und im Halbstundentakt in die Stadt. Diesen Weg hatte so mancher trotz des schon früher verkehrenden Schluffs noch zu Fuß bewältigt.

Die Karte ist vermutlich um 1905 von der Pauen´schen Buchhandlung herausgegeben worden. Fotograf war wieder (vgl. Folge 1, in Heimatbrief 129) Lamb. Beckmann aus Crefeld. Deutlich sind die Schienen bis zum "Tömp" an der Ecke Hochstraße zu erkennen, wo es bis 1957 hieß: "Endstation. Alles aussteigen bitte!" Wegen der gefährlichen Verkehrssituation an der mittlerweile stark befahrenen Kreuzung wurde die Endhaltestelle dann mit einer Wendeschleife zum Wilhelmplatz verlegt.

Auch einige Häuser, die das Gesicht der Krefelder Straße jahrzehntelang geprägt haben, sind auf dem aktuellen Foto nicht mehr vorhanden. So wurde das 1899 von der Familie Baackes gebaute Haus (später hatte hier der Zahnarzt Dr. Gerhards seine Praxis) mit dem markanten Turm 1973 abgerissen, um eine bessere Abbiegemöglichkeit, besonders für Linienbusse, in die Ringstraße zu ermöglichen. Dahinter - früher wohnte hier Dr. Naß - steht seit 1988 das neue Gebäude der Sparkasse. Gegenüber, im Haus Nr. 1, befindet sich heute die Bären-Apotheke. Die vorher dort ansässige Metzgerei Wenders - früher Corten und davor Optekamp - ist 1991 weiter zur Ecke Willicher Straße umgezogenen. Die Baulücke daneben wurde 1953 von dem Handarbeitsgeschäft Ziegler geschlossen. Das Haus Nr. 5 schließlich war eines der ersten Häuser überhaupt in der Krefelder Straße. Hier war zum Zeitpunkt der Postkarten-Aufnahme bis 1969 die Gaststätte Heusen. Das Haus wurde 1986 abgerissen und im Neubau befinden sich seitdem mehrere Arztpraxen.

Abschließend bliebe noch zu bemerken, daß die auf der Ansichtskarte verewigten Herren sich heute wohl nicht mehr so gemütlich mitten auf der Straße in Positur stellen könnten ...


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